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Einzelhandel, B2B und E-Commerce Logistik: 4 Best Practices & Lektionen von den Auswirkungen auf Lieferketten und Unternehmen während der Coronavirus-Krise

Veröffentlicht am: 16. Juli 2020, Lesezeit: 10 Minuten.

Notiz vom Autor:

Wie konnte seit dem Ausbruch des Coronavirus alles so schnell passieren? In den letzten Monaten haben wir einiges erlebt: Ausgangssperren, schließende Unternehmen und unterbrochene Lieferketten. Der COVID-19 Ausbruch hat unser tägliches Leben und die Zukunft vieler Unternehmen stark beeinträchtigt. Nichtsdestotrotz haben wir die gesamten Auswirkungen der Krise noch nicht vollständig erlebt und verstanden. Ganz zu schweigen davon, dass die Coronavirus-Pandemie in vielen Regionen der Welt noch stark präsent ist und ernsthafte Bedenken hinsichtlich einer möglichen zweiten Ausbreitungswelle bestehen.

Diese und viele weitere Fragen trieben uns an, das Thema ausführlich zu untersuchen: Was sind die Auswirkungen auf Lieferketten und Unternehmen in Krisenzeiten? Welche Lektionen lassen sich aus diesen Zeiten ziehen? Unser Team bei everstox ist den Archiven der WHO und anderen authentifizierten Primärquellen auf den Grund gegangen. Wir haben Aktienmärkte und die Auswirkungen auf betriebliche Lieferketten bewertet und uns mit den wichtigsten Akteuren der Branche beraten, um vier Best Practices und Erkenntnisse darüber zu sammeln, wie Unternehmen dieses Dilemma erfolgreich bewältigt haben.

Dieser Artikel dient dazu B2B-, Einzelhandels- und E-Commerce- Unternehmen zu helfen, sich kurz- und langfristig eine nachhaltige Lieferkette und Logistik aufzubauen.

Übersicht:

Die globalen Auswirkungen von COVID-19

31 December 2019: Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) erhält die Mitteilung, dass in der Stadt Wuhan in der Region Hubei in China Fälle von Lungenentzündung durch eine unbekannte Krankheit festgestellt wurden.

Drei Wochen später, WHO gibt bekannt, dass 282 bestätigte Fälle von COVID-19 aus vier Ländern gemeldet wurden, darunter China (278 Fälle), Thailand (2 Fälle), Japan (1 Fall) und die Republik Korea (1 Fall).

Vier Wochen später, meldet die WHO 50.580 im Labor bestätigte Fälle von COVID-19, wobei über 98,96% der Fälle aus China stammen.

Mittlerweile - am 16. Juli 2020 -ist die Situation an folgendem Punkt angekommen: 13.285.640 von der WHO bestätigte Fälle (WHO, 2020).

Abbildung 1: Globaler Situationsbericht der WHO, 16. Juli 2020

Mit ersten Anzeichen erfolgreicher Auswirkungen der Ausgangssperren in Europa wurden internationale Grenzen vor kurzem wieder geöffnet. Der Ablauf von industriellen Lieferketten und Warentransport kehrt langsam wieder zur Normalität zurück.

Nichtsdestotrotz waren noch vor nicht einmal drei bis vier Monaten die ersten Auswirkungen auf die Weltwirtschaft sichtbar: Börsenkurse und Aktienindizes fielen drastisch (z.B. NASDAQ, FTSE 100, DAX).

Abbildung 2: DAX Indikation 16. Juli 2020, Frankfurter Börse 2020

Der grenzüberschreitende Handel und öffentliche Reisen wurden durch staatliche Einschreitungen und Ausgangssperren gehemmt, um die Verbreitung von COVID-19 zu verhindern. Bereits zu Beginn der Krise haben Unternehmen wie Apple vor dem Versorgungsengpass des iPhones und möglichen Auswirkungen auf die Einnahmen des ersten Quartals von 2020 gewarnt (Apple).

In den letzten Monaten wurden die Auswirkungen auf Lieferketten und der Versand in internationale Märkte direkt von grenzübergreifenden Ausgangssperren beeinträchtigt. Auch Amazon und andere große Einzelhändler haben Prime Mitglieder und diejenigen, die Dienstleistungen wie Amazon fresh in Anspruch nehmen, davor gewarnt, dass bei Produkten aus stark betroffenen Gebieten mit möglichen Verzögerungen zu rechnen ist (Bloomberg).

Ein anderer E-Commerce-Riese, Aliexpress, hat ebenfalls über globale Verzögerungen von Bestellungen und die Annullierung des Produktsortiments, aufgrund der Angst vor Einschränkungen in der Lieferkette und einer längeren Bearbeitung von Bestellungen, informiert (Reuters).

KEY Takeaways:

  • bis zum heutigen Tag gibt es weltweit 13,285,640 bestätigte Coronavirus-Fälle
  • die ersten wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus waren bereits am Ende des 1. Quartals 2020 sichtbar

Inwiefern sind E-Commerce und Einzelhandel betroffen? Welche Produkte werden online eingekauft?

In den letzten Monaten haben Unternehmen eine starke Nachfrage nach E-Commerce und Online-Handel erlebt. Insbesondere die Online-Nachfrage nach Produkten des täglichen Bedarfs - Lebensmittel, Medikamente, Haustierbedarf und Drogerieprodukte - erlebte einen drastischen Anstieg von über 50% im 2. Quartal und über 35% in der ersten Hälfte des Jahres 2020 in Deutschland (bevh, 2020).

Der Trend scheint sich langfristig fortzusetzen, da 53,6% der Verbraucher in einem Post-Corona-Szenario weiterhin online einkaufen wollen (Logistik-Heute, 2020).

„E-Commerce hat sich im zweiten Quartal nachhaltig als zusätzliche Versorgungsinfrastruktur etabliert“, fasst BEVH-Hauptgeschäftsführer Christoph Wenk-Fischer zusammen, bevh 2020. „Das zeigt sich nicht nur an den absoluten Zahlen, sondern auch am erklärten Willen der Konsumenten, auch künftig mindestens so viele, wenn nicht mehr Güter des täglichen Bedarfs und Medikamente online zu kaufen.“

Dieser langfristige Aufschwung des Online-Shoppings lässt sich darauf zurückführen, dass sich Endkunden mittlerweile an den neuen Komfort von Hauszustellungen gewöhnt haben. Es gibt jedoch nicht nur eine Veränderung in der Art und Weise, wie Waren eingekauft werden, sondern auch hinsichtlich des bevorzugten Ursprungs der Waren. Tatsächlich scheint die Öffentlichkeit ausländischen Marken gegenüber misstrauischer und heimischen Waren gegenüber aufgeschlossener zu sein (Accenture, 2020).

Dadurch wurde innerhalb der letzten Monate lokalen Lieferketten und lokal hergestellten Produkten eindeutig mehr Wert beigemessen. Am wichtigsten ist jedoch, dass Händler ihr zukünftiges Geschäft auf ein stärker Online-orientiertes Einkaufsverhalten vorbereiten müssen.

KEY Takeaways:

  • E-Commerce Einnahmen für Lebensmittel, Medizin, Haustierbedarf und Drogerieprodukte stiegen um +51,2% in Q2 und +35,7% in der ersten Hälfte von 2020
  • 53,6% der Konsumenten werden in einem Post-Corona-Szenario weiterhin Produkte online einkaufen
  • Konsumenten sind lokal-produzierten Waren gegenüber aufgeschlossener

Auswirkungen auf globale vs. lokale Lieferketten

Während der verhängten Ausgangssperren wurden die nationalen Grenzen für den zivilen Verkehr geschlossen. Lkw-, Bahn- oder Schiffstransporte von Industrie- und Konsumgütern blieben jedoch offen; als Versuch der Regierung, den grenzüberschreitenden Handel am Leben zu erhalten. Nichtsdestotrotz wurden Importe und Lieferketten mit starken Beschränkungen dabei konfrontiert, Bestellungen pünktlich zu erfüllen und zu liefern (z.B. U.S. CNN, UK Telegraph, German Traffic Review).

Wie erste quantitative Studien zeigen (NRF, 2020), sind globale Lieferketten offensichtlich stark betroffen - insbesondere importierte Güter aus China, Indien und anderen wichtigen industriellen Versorgungsquellen. Laut einer im Juni durchgeführten Studie berichteten 71 % der Schifffahrts- und Fracht- Fachleute von einem Volumenrückgang infolge des COVID-19-Ausbruchs (Mazareanu, 2020).

Da wichtige internationale Lieferketten für Importgüter während COVID-19 zusammengebrochen sind, verstärkte sich die Überbelastung auf inländische Transporte und Lieferungen innerhalb geschlossener Grenzen. Laut einer Studie vom März 2020 lagen die angekündigten Lieferverzögerungen und -stornierungen in Deutschland mit 55,1% auf einem besonders hohen Niveau (Koptyug, 2020). Beispielsweise sahen Kunden von Amazon Prime Now starke Verzögerungen bei Produkten, die nach Europa importiert wurden (CNBC, 2020).

Vor allem als Amazon ankündigte, die Lagerung nur für lebenswichtige Güter wie Hygieneprodukte, Lebensmittel und medizinische Versorgung zu priorisieren (Bloomberg, 2020), sahen sich viele Händler mit starken Abhängigkeiten, langen Lieferverzögerungen und höheren Stornierungsraten bei der Nutzung von ‘Fulfillment by Amazon’ (FBA)-Dienstleistungen konfrontiert.

Diese Erkenntnisse vermitteln ein insgesamt gutes Verständnis davon, was mit Lieferketten und dem Produktvertrieb geschehen ist. Folglich besteht immer noch eine große Unsicherheit darüber, was als nächstes passieren könnte. Händler, Einzelhändler und E-Commerce-Unternehmen aller Branchen benötigen heute mehr denn je zuverlässige Logistikpartner und eine zuverlässige Lieferkette, um ihre Waren pünktlich liefern zu können.

KEY takeaways:

  • 71% der Versand- und Fracht- Dienstleister sahen sich aufgrund von COVID-19 mit einem Absatzrückgang bei globalen Versanddienstleistungen konfrontiert
  • 55.1 % der nationalen Lieferungen wurden in Deutschland während COVID-19 entweder verzögert oder annulliert
  • Händler waren während der Coronavirus-Krise stark von einzelnen Logistikanbietern und Amazon abhängig

4 Best Practices für E-Commerce: Flexible Lagerlogistik & More

Was sind also die wichtigsten Erkenntnisse, welche aus unseren Ergebnissen geschlossen werden können? Wie können sich Einzelhandels-, B2B- und E-Commerce- Unternehmen so vorbereiten, dass Verzögerungen bei der Auftragserfüllung und Bestandsengpässe vermieden werden und somit eine voll funktionsfähige Produktion aufrechterhalten wird?

Neben der Analyse externer Marktsignale und -berichte haben wir uns mit unserem eigenen Logistiknetzwerk aus Lagerlogistik- und Fulfillment-Partnern, sowie Händlern aus verschiedenen Branchen beraten, um aus ihrer Erfahrung zu lernen.

Die folgenden Ratschläge beziehen sich nicht nur auf langfristige Strategien. Ausgehend von unseren eigenen Geschäftsszenarien schwanken die Implementierungs-Zyklen sogar nur zwischen 5 und 15 Tagen. Hier sind die Takeaways:

01: DIVERSIFIZIEREN - NUTZUNG FLEXIBLER LAGERLOGISTIK

Durch Verringerung des Risikos zentraler Lagerstandorte profitieren unsere E-Commerce-, B2B-, und Einzelhandelsunternehmen von einem größeren Portfolio diversifizierter Lagerlogistik- und Fulfillment-Partner, die über verschiedene regionale Gebiete verteilt sind.

Eine höhere Anzahl lokaler Vertriebszentren in jedem nationalen Markt hilft Unternehmen dabei, die Abhängigkeit von nur einem Anbieter zu reduzieren und das Risiko, dass beispielsweise ihre Lieferkette Quarantänezonen ausgesetzt wird, zu reduzieren.

Diversifizierte Lagerstandorte führen nicht zwangsläufig zu einer Erhöhung von Logistikkosten; vor allem dann nicht, wenn man Lagerlogistik richtig angeht. Erfahren Sie hier mehr über flexibler Lagerlogistik.

02: AUTOMATISIEREN - EINFÜHRUNG TECHNologie-GESTEUERTER LÖSUNGEN

In Zeiten der Ungewissheit ist Datentransparenz in Echtzeit entscheidend, um ein höheres Maß an Kontrolle zu behalten und schnell auf eine sich verändernde Nachfrage reagieren zu können. Händler sollten automatisierte Wege des Datenaustauschs zwischen Vertriebskanälen und Lagerverwaltungssystemen (WMS) nutzen, um manuelle Arbeit, Zeit und Kosten im Datenaustausch und in Logistik- und Kundenservice-Prozessen zu reduzieren.

Gleichzeitig profitieren Händler auch von einer optimierten Lieferkette und Lagerverwaltung, indem sie direkte Warnhinweise und Benachrichtigungen erhalten, sobald Lagerbestände ein Mindestniveau erreichen.

Mit Hilfe unserer Logistics-as-a-Service Plattform konnten unsere Händler während der Coronavirus-Krise dynamische und datengesteuerte logistische Prozesse erreichen. Die direkte Wiederauffüllung der Bestände mit einem Klick und die operative Transparenz in Echtzeit für alle Bestell- und Bestandsquellen sind nur zwei Beispiele von vielen.

Da unsere Plattform eine API-gesteuerte Technologie verwendet, ist sie unabhängig von jedem operativen Vertriebskanal und in der Lage, Datenflüsse zu automatisieren, um Transparenz und Kontrolle über Bestände, Bestellungen und Lagerkapazitäten zu schaffen..

03: ZUSAMMENARBEITEN - NUTZUNG VON NETZWERKSYNERGIEN

Viele Unternehmen haben in den letzten Wochen und Monaten folgende Erfahrung gemacht: Alleine ums Überleben zu kämpfen, wird auf Dauer unmöglich; insbesondere wenn globale Lieferketten zusammenbrechen. Unternehmen sind von einer langen Lieferkette aus Zwischenlieferanten und anderen Geschäftspartnern abhängig. Aus diesem Grund sind Netzwerksynergien entlang der Lieferkette von großer Bedeutung. 

Während der Krise profitierten unsere Logistikpartner und Händler von einem vollständig integrierten Netzwerk enger Zusammenarbeit. Durch die Zusammenführung des Fachwissens unserer Logistikpartner und Händler konnten wir feststellen, dass sich große Synergien entwickelt haben, die zu einem besseren Benutzererlebnis, kürzeren Lieferzeiten und -kosten, sowie kürzeren Transportwegen auf der Last-Mile geführt haben.

All dies wurde ermöglicht durch unser Netzwerk von unabhängigen Logistikpartnern. Am wichtigsten ist natürlich, was unsere Kunden sagen - hier ist ein Beispiel für eine der Erfolgsgeschichten.

04: KONSOLIDIEREN - ERWEITERUNG DES PLANUNGSHORIZONTS

Auch wenn es zur Zeit schwierig erscheinen mag, sollte man vorausschauend denken: Welche strategischen Märkte könnten in den nächsten Jahren für mein Unternehmen relevant sein; welche neuen Vertriebskanäle können zukünftig essentiell sein, um Einnahmen und Absatz weiter auszubauen; und schließlich: Wie kann ich eine zuverlässige und nachhaltige Lieferkette mit einem besseren Endkundenerlebnis gegenüber der Konkurrenz gewährleistet werden?

Viele Unternehmen haben derzeit immer noch Kurzarbeit angemeldet und befinden sich in Homeoffice Situationen. Dies ist ihnen teilweise durch staatliche Unterstützung ermöglicht worden. In Deutschland wurden im Juni mehr als 12 Millionen Kurzarbeiter registriert (Link). Seit Anbruch der Coronakrise sind viele Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten geraten und haben versucht, ihre derzeitigen Aktivitäten zu konsolidieren. Kein Wunder, dass die Konsolidierung für viele Unternehmen entscheidend war, um diese Phase zu überstehen.

Nichtsdestotrotz empfehlen wir, dass man einen Schritt zurücktreten und das große Ganze betrachten sollte. Wir wissen von verschiedenen Partnern in der Logistikbranche, einschließlich unserer eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse, dass die strategische Planung von Lieferketten und die Verbesserung von Fuflillment-Zyklen nicht nur Wochen oder Monate, sondern manchmal auch Jahre in Betracht zieht. Unternehmen sollten daher den Fokus nicht nur auf die jetzige Konsolidierungsphase setzen. Es gilt vielmehr die ersten strategischen Steine für den morgigen Weg zu legen, um langfristig moderne Strategien und Technologien zu implementieren. Dadurch lassen sich strategische Vorteile erschließen, welche ihnen helfen werden, sich in den kommenden Jahren durchzusetzen.

Erfahren Sie mehr über flexibler Lagerlogistik.

Schauen Sie bei unseren Logistik Ressourcen und unserer LinkedIn Seite vorbei, um auf dem neuesten Stand zu bleiben.

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Über die Autoren

Maximilian Nenning | everstox

Author:
Maximilian Nenning
Marketing Manager
everstox

Über everstox

everstox, ein erfolgreiches Start-up aus München, ist Betreiber der gleichnamigen Technologieplattform, die über ein Netzwerk europäischer Logistikdienstleister eine skalierbare und datengesteuerte Logistik-Software für E-Commerce, Groß- und Einzelhandel anbietet. Das Unternehmen baut sukzessive das erste technologiegetriebene Netzwerk an renommierten Lagerlogistik und Fulfillment-Partnern auf und ermöglicht damit europaweit transparente, effiziente und ökologisch wertvolle Logistiklösungen.

Mit dem Expertenteam von everstox profitieren Händler von optimierten Prozessen, fundierten Marktkenntnissen und strategischer Beratung. Das bedeutet für Händler ein klarer Wettbewerbsvorteil im Vertrieb.

Weitere Informationen zu everstox gibt es unter www.everstox.com.

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