Ein tiefer Einblick in die neue Ära der
tech-gesteuerten Logistik

Wie haben sich die Lagerlogistik und das Fulfillment in den letzten Jahren verändert und was ist für E-Commerce-Marken wichtig, um den Umsatz zu steigern? Erfahren Sie es in unserem Interview.

Veröffentlicht am: 15. September 2021, Lesezeit: 9 Minuten

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Same-Day-Versand, Omnichannel-Fulfillment und immer zufriedene Kunden bei jeder Bestellung. Das ist das heutige Bild der Distributionslogistik – eine Branche, die durch Zeitdruck und operative Exzellenz angetrieben wird, um Kundenbedürfnisse stetig zu erfüllen. War das schon immer so?

In unserem ausführlichen Interview mit dem WMS-Experten Holger Meinen und Johannes Tress, Geschäftsführer und Mitbegründer von everstox, gehen wir der Frage nach, wie sich Lagerhaltung und Fulfillment in den letzten Jahren verändert haben. Wir untersuchen auch, was technologiegetriebene Fulfillment Center wirklich sind und wie innovative Lösungen sicherstellen, dass alle betrieblichen Anforderungen von Handelsunternehmen erfüllt werden.

Interview mit storelogix und everstox

Warehousing and Fulfillment | everstox

Handelsunternehmen von heute stehen vor der immer größer werdenden Herausforderung, die Distributionslogistik zu optimieren, um Kundenerwartungen zu erfüllen. Wir fragen uns, Holger, wie sah der Logistikmarkt in einer Zeit vor dem großen E-Commerce-Boom aus? War er schon immer so zeitkritisch und preissensibel?

Letztendlich ist der Logistikmarkt ein Wirtschaftszweig. Heißt, die Optimierung von Prozessen in Bezug auf Zeit und Preis waren schon immer relevant. Dadurch können Wettbewerbsvorteile und Zusatzleistungen erzielt werden. Hierbei geht es tatsächlich schon lange um Effizienzsteigerung im Sekunden- und Cent-Bereich. Denn skaliert man diese Prozesse nach oben, entstehen daraus relevante und wichtige Zeit- und Kostenersparnisse.

Durch den E-Commerce haben diese beiden Faktoren einen deutlichen Push bekommen. Stetige Verfügbarkeit, schnelle Anlieferung und kostengünstige Produkte haben im Online-Handel eine sehr hohe Bedeutung. So sind Angebote wie Same-Day-Delivery, kostenloser Rückversand und Produktindividualisierungen längst keine Besonderheiten mehr. Und es stehen bereits die nächsten Entwicklungen an, um im E-Commerce noch besser, schneller und effizienter zu werden. Schlagworte sind da beispielsweise Logistik 4.0, künstliche Intelligenz und autonomes Fahren.

Zeit und Kosten sind für viele Handelsunternehmen entscheidend. Und es wurde bereits ein wichtiger Punkt angesprochen: Das Was und Wie von morgen. Johannes, du arbeitest täglich mit vielen verschiedenen Marken, Produktkategorien und Händlern zusammen. Welche wichtigen E-Commerce-Trends kannst du zu Holgers Input ergänzen? Und wie lautet deine Prognose, wie sich das auf die Distributionslogistik auswirken wird?

Wir sehen drei Haupttreiber und Trends im E-Commerce-Bereich. Angefangen bei der Nachhaltigkeit – immer mehr unserer Händler suchen aktiv nach umweltfreundlichen Versandoptionen. Gleichzeitig erwarten Endkunden den von Holger bereits erwähnten Status quo einer schnellen Lieferung zu niedrigen Kosten mit einem starken Kundenerlebnis. Und schließlich sehen wir auch kürzer werdende Produktentwicklungszyklen und das Bedürfnis, Produkte schnell auf den Markt zu bringen.

Um diese drei Trends aus logistischer Sicht zu unterstützen, empfiehlt es sich Tätigkeiten der Distributionslogistik zu lokalisieren und Produkte näher an Absatzmärkten zu lagern. In anderen Worten: Eine flächendeckende Dezentralisierung in Zusammenarbeit mit professionellen Partnern ist genau das, was die Einhaltung dieser Haupttreiber wirklich gewährleistet.

Die Entscheidung dezentralisiert mit mehreren Fulfillment-Anbietern zu arbeiten bedeutet oft sich mit verschiedenen WM-Systemen auseinanderzusetzen. Holger, kannst du erklären, warum die europäische Systemlandschaft so fragmentiert ist? Was steht der Einführung eines universellen Systems für alle Lageranbieter im Wege? Und wo liegen die Probleme für Lagerbetreiber, wenn es darum geht, das richtige WM-System für ihr Lager zu finden?

Die Systemlandschaft für den Bereich Logistik ist heute sehr groß und unübersichtlich. Dies liegt zuweilen daran, dass sich Unternehmen durch gewachsene logistische Strukturen an gelebte Prozesse gebunden fühlen und genau für diese Anwendungsfälle Lösungen suchen. So funktionierte der Markt seit Beginn der EDV gestützten Logistikabwicklung und tut dies in weiten Teilen bis heute. Dabei haben Maßanzüge doch nur unter speziellen Voraussetzungen einen gewissen Charme bzw. einen wirklichen Nutzen, oder?    

Diese gelebten Sichtweisen macht die Suche nach einem geeigneten WMS sehr zeitaufwendig und mitunter schwierig. Zu dieser Aufgabenstellung kommt oft eine fehlende Marktübersicht an Best Practice-Beispielen und gelebten Logistiklösungen. Dass Systeme Flexibilität für zukünftige Entwicklungen und Durchlässigkeit zu anderen Systemen in Form von Schnittstellen mitbringen müssen, wird quasi vorausgesetzt. Dies ist aber bei weitem nicht der Fall und gerade im klassischen Projektumfeld nur schwer zu realisieren.

Den Unternehmen bleibt häufig nur der konventionelle Projektansatz und der gerade angesprochene Maßanzug. Somit entsteht die von euch genannte zersplitterte Systemlandschaft, welche meinem Verständnis von modernen Systemen widerspricht.

Warehousing and Fulfillment | everstox

Apropos moderne Systeme: everstox arbeitet mit über 35 datengesteuerten Fulfillment-Centern in ganz Europa und einer Vielzahl von WM-Systemen zusammen. Johannes, wie schafft ihr es, die Arbeit mit unterschiedlichen WM-Systemen zu harmonisieren und wieso ist diese Harmonisierung so wichtig für Handelsunternehmen?

Wenn mit mehreren Fulfillment-Partnern gearbeitet wird, besteht die Herausforderung darin, einheitliche digitale Workflows für alle Lagerstandorte zu erschaffen. Handelsunternehmen möchten ja genau wissen, was in allen Lagern vor sich geht, richtig? Und der Schlüssel dazu ist die Harmonisierung der Heterogenität all dieser WM-Systeme. Das erleichtert nicht nur die Zusammenarbeit mit externen Logistikteams, sondern hilft auch beim Performance Benchmarking durch einheitliche Datensätze und man erspart sich zeitraubende, repetitive Aufgaben. Also, wie funktioniert das und was brauchen wir dafür?

Zunächst einmal muss die Basis stimmen – oder anders gesagt, die physischen Lageraktivitäten und -prozesse müssen vollständig in digitale Primärdaten übersetzt werden. Und dafür braucht man moderne WM-Systeme über alle Lagerpartner hinweg.

Als nächstes braucht man eine intelligente technische Lösung, die die wesentlichen Primärdaten aus den verschiedenen WMS-Umgebungen extrahiert und in ein „poliertes“ einheitliches Datenformat übersetzt. Mit diesem technischen Setup können Operations Manager alle Performances der verschiedenen Standorte problemlos vergleichen und betriebliche Aktivitäten aus einer zentralen Datenquelle steuern.

Schließlich müssen die vereinheitlichten Lagerinformationen auch an alle verwendeten Handelssysteme weitergeleitet werden, um eine Echtzeitverbindung zwischen Verkauf, Betrieb und Produktlieferung zu ermöglichen.

Warehousing and Fulfillment | everstox

Holger, was rätst du Handelsunternehmen bei der Suche nach den richtigen 3PLs?

Logistik ist enormen Entwicklungen unterworfen. Wenn sich Unternehmen nach Partnern oder Lösungen für Logistikprozesse entscheiden, sollten Sie darauf achten, dass genau diese Agilität mitgedacht wird. Unternehmen wachsen, müssen sich neuen Anforderungen am Markt anpassen und transparente und schnelle Abläufe garantieren können – das muss mit den Third-Party-Logistics-Anbietern gegeben sein.

Logistik ist keine statische Aufgabe, sondern ein dynamischer Prozess. Gemeinsames Wachstum, schnelle Reaktionsfähigkeit, logistische Expertise und flexible Anpassungsmöglichkeiten sind hier für mich Faktoren, die Handelsunternehmen abfragen sollten. Und natürlich sollte eine partnerschaftliche Zusammenarbeit erzielt werden. Fulfillment ist nun mal keine einmalige Dienstleistung.

Johannes, worauf kommt es aus deiner Erfahrung an,  um die besten 3PLs für Handelsunternehmenzu finden? Und was ist ein absolutes No-Go, wenn es um Lagerdienstleister geht?

Das hängt wirklich von dem jeweiligen Fulfillment Case ab, also von der Produktkategorie, dem erwarteten Auftragsvolumen, den gewünschten Mehrwertdiensten und so weiter, und davon, welche Unternehmensziele erreicht werden sollen. Nehmen wir an, eine schnelle Markteinführung ist essentiell wichtig für ein Unternehmen, um sicherzustellen, dass der Businessplan zeitgenau umgesetzt wird. Was hier definitiv nicht geht, ist ein monatelanger Onboarding-Prozess, der aus manueller Implementierung und operativer Iteration besteht, um Best Practices zu erreichen.

Und wie Holger auch kurz erwähnt hat, ist es nicht nur wichtig, was ein 3PL heute für ein Unternehmen tun kann, sondern vielmehr, was die Zusammenarbeit für morgen bringt. Die Partnerschaft mit einem 3PL darf das Momentum eines Unternehmens also nicht bremsen. Wenn beispielsweise geplant ist, neue Produkte einzuführen, neue Vertriebskanäle zu erschließen oder marktbedingten Entwicklungen zu folgen, müssen die ausgewählten 3PL-Teams in der Lage sein, das Geschäft durch schnelle Implementierung und operative Umsetzung voranzutreiben.

Die Einführung neuer Technologien bei allen Lageranbietern – welche Vorteile ergeben sich für Handelsunternehmen, die mit einem modernen, tech-gesteuerten Fulfillment-Center arbeiten, Holger?

Wie bereits Johannes erwähnt hat, die Digitalisierung von physischen Prozessen ist enorm wichtig, um nicht mit einer “Black-Box” zu arbeiten. Um logistische Abläufe durchzuführen, ist ein gutes zukunftsfähiges System, die entsprechende Expertise für logistische Abläufe und ein starkes Netzwerk enorm wichtig. Hier spielen auch wieder Themen wie Zeit, Geld und Erfahrung eine große Rolle.

Im besten Fall werden dabei SaaS-Lösungen wie everstox und storelogix einbezogen. Denn diese Systeme bieten im Fulfillment eine extremst hohe Flexibilität und Kostenkontrolle inklusive Expertenteam und professionelle Prozesse. Zudem werden durch solche Systeme wichtige Daten geliefert, die eine effiziente, systemgestützte und valide Prozessabbildung sicherstellen.

Wie ist storelogix mit uns in Kontakt getreten? Welche Erfahrungen haben Sie mit der everstox Lösung gemacht? Und wie passt die Lösung Ihrer Meinung nach in die aktuelle Marktdynamik / wie löst sie die oben genannten Probleme?

Der erste Kontakt entstand durch einen langjährigen Fulfillment-Kunden im Jahr 2019. Ein neuer Mandant hat everstox als Lösung genutzt und wir haben uns als jeweiliger Dienstleister bezüglich Schnittstellen ausgetauscht. Aus dem Erstkontakt heraus ist eine gute Partnerschaft entstanden. Mehr und mehr Kunden von uns arbeiten mit everstox.

Auch der gemeinsame Austausch zu logistischen Prozessen, möglichen IT-Lösungen und Optimierungsmöglichkeiten wird von beiden Seiten gesucht. Genau das trägt zu Lösungen aktueller Marktdynamiken bei. Wir mit unseren SaaS-Lösungen und unseren Partner-Netzwerken bieten Produkte und Expertenteams, die digital und zukunftsfähig sind. Lösungen wie everstox und storelogix lösen nicht nur die heutigen Needs von Unternehmen, sondern bieten Ihnen auch für zukünftige Prozesse Sicherheit und Handlungsspielraum.

Und hier schließt sich wiederum der Kreis: Die Logistik und das Fulfillment werden sich weiter verändern – und wir haben Produkte, die sich agil mitentwickeln und eine Lösung bieten.

Das Gespräch mit storelogix und everstox beleuchtet die aktuelle Marktdynamik der Distributionslogistik. eCommerce ist eine schnelllebige Branche, die viele Herausforderungen mit sich bringt. Aber seien Sie versichert, dass Sie nicht allein gelassen werden, wenn Sie durch alle operativen Hürden navigieren – die Zusammenarbeit mit einer starken tech-getriebenen Basis und den richtigen Servicepartnern ebnet den Weg für Ihren Geschäftserfolg.

Wenn Sie mehr über moderne WMS-Lösungen erfahren möchten, kontaktieren Sie unseren Partner storelogix. Wenn Sie Unterstützung benötigen, um die besten 3PLs für Ihren Geschäftsfall zu finden und mehrere Lager-Standorte mit nur einer zentralen Softwarelösung zu verwalten, kontaktieren Sie einfach unser Team und starten Sie jetzt.

Wenn Ihnen dieses ausführliche Interview über die technologiegetriebene Logistiklandschaft gefallen hat, interessieren Sie sich vielleicht auch für andere Themen aus dem Bereich Lagerhaltung und Fulfillment, wie z.B. unser Leitfaden über Logistikkosten oder wie findet man die besten 3PLs in Europa:

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Über die Autoren:

Warehousing and Fulfillment | everstox
Distribution Logistics Insights | Maximilian Nenning | everstox

Max und das Marketing-Team von everstox kümmern sich, um die Recherche und Auswertung unserer Logistik-Erkenntnisse, die unser everstox-Team aus dem Tagesgeschäft sammelt. Wenn Sie Fragen zu unseren Artikeln, Leitfäden oder anderen blogbezogenen Themen haben, können Sie sich gerne an ihn wenden.

Maximilian Nenning

Head of Marketing

MD und Mitgründer | Johannes Tress | everstox

Bei everstox ist Johannes für das Logistikpartner-Netzwerk und die Implementierung der Logistikprozesse für unsere Händler verantwortlich. Zuvor war Johannes als BCG-Berater tätig und hat space-y gegründet und gebootstrappt, ein Startup für moderne Arbeitsräume.

Johannes Tress

MD und Mitgründer

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Warehousing and Fulfillment | everstox
WMS Systeme | Holger Meinen | storelogix

Holger Meinen ist Geschäftsführer des Bochumer IT-Dienstleisters common solutions. Hier ist er hauptverantwortlich für das Warehouse Management System storelogix.

Holger Meinen

Managing Director

storelogix ist die Komplettlösung für die Lagerverwaltung aus dem Hause common solutions. Das Lagerverwaltungssystem (WMS) wird in den unternehmenseigenen Rechenzentren in Bochum betrieben und bietet durch das SaaS-Modell absolute Flexibilität, Kostenkontrolle und Zukunftsfähigkeit.

Holger Meinen ist Geschäftsführer des Bochumer IT-Dienstleisters common solutions (storelogix) mit mehr als 20 Jahren Erfahrung aus dem Bereich Intralogistik. Zunächst als Logistikberater tätig, hat der erfahrene Unternehmer später zum größten Teil in leitenden Funktionen maßgeblich an der Weiterentwicklung der Branchen und Kunden in der WMS- und Automatisierungswelt verbracht.

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