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Anna Kraus
Anna Kraus
Expertin für eCommerce und Logistik

Der ultimative eCommerce Leitfaden für den Versand nach UK (2025)

9/29/2025

11 Min. Lesezeit

Der ultimative eCommerce Leitfaden für den Versand nach UK (2025)

Der Versand nach Großbritannien ist seit dem Brexit komplexer geworden, aber mit der richtigen Vorbereitung bleibt der UK-Markt für deinen Online-Shop zugänglich und profitabel. Dieser Leitfaden führt dich Schritt für Schritt durch alle Prozesse – von den nötigen Dokumenten über die Zollabwicklung bis zum Management von Retouren.

Der Versand nach Großbritannien ist seit dem Brexit komplexer geworden, aber mit der richtigen Vorbereitung bleibt der UK-Markt für deinen Online-Shop zugänglich und profitabel. Dieser Leitfaden führt dich Schritt für Schritt durch alle Prozesse – von den nötigen Dokumenten über die Zollabwicklung bis zum Management von Retouren.

Das Vereinigte Königreich ist einer der wichtigsten Märkte im internationalen eCommerce-Markt und steht im Vergleich zu anderen Ländern wie der Schweiz, die ebenfalls außerhalb der Europäischen Union liegen, vor besonderen Herausforderungen. Nach dem Austritt aus der EU und dem Verlassen des Binnenmarkts durch den Brexit haben sich die Handels- und Zollregelungen grundlegend verändert. Die Bevölkerung des Vereinigten Königreichs ist onlineaffin und bietet großes Potenzial für Onlinehändler, die ihre Produkte exportieren möchten.

Für Nordirland gelten Sonderregelungen: im Warenverkehr mit der EU bleibt es im Rahmen des Windsor Framework weitgehend im Binnenmarkt für Güter und folgt weiterhin den EU-Zollregeln. Bei Waren aus Großbritannien nach Nordirland gibt es ein spezielles Grenzsystem („green/red lane“), sodass Nordirland nicht vollständig gleichgestellt ist.

Was hat sich seit dem Brexit geändert?

Seit dem Brexit gehören England, Schottland und Wales nicht mehr zur Zollunion und zum Binnenmarkt der Europäischen Union. Jeder gewerbliche Warenversand von der EU nach UK muss deshalb angemeldet werden. Ob Zölle fällig werden, hängt vom Warenursprung und den Zolltarifnummern ab. Für viele Waren mit EU-Ursprung gilt Zollfreiheit durch das Handels- und Kooperationsabkommen.

Nordirland ist eine Sonderzone: für den Warenverkehr mit der EU gelten weiterhin weitgehend die EU-Regeln, was Abwicklung und Dokumentation vereinfacht. Für Lieferungen aus Großbritannien nach Nordirland gelten spezielle Regelungen (Green/Red-Lane-System).

Im Vergleich zur Schweiz ergeben sich zusätzliche Auswirkungen, etwa die strenge Anwendung der £135-Mehrwertsteuerregel (für B2C) oder die Abwicklung von Retouren.

Versand nach UK: die Post-Brexit-Checkliste für Online-Händler

EORI-Nummer beantragen:

Unverzichtbar für den Handel mit Drittländern. Jede exportierende Firma mit Sitz in der EU benötigt eine EU-EORI-Nummer, die beim deutschen Zoll beantragt wird. Eine zusätzliche britische EORI (GB-EORI) ist erforderlich, wenn du selbst als Importeur im UK auftrittst (z. B. bei DDP oder eigener Lagerung im Lager vor Ort) oder Zollanmeldungen im Vereinigten Königreich vornimmst. Übernimmt der Carrier oder ein Importeur die Anmeldung, ist keine eigene GB-EORI nötig.

UK-Mehrwertsteuer (VAT) prüfen:

Bei Warenwerten unter £135 (B2C) muss der Verkäufer UK-VAT berechnen und an HMRC abführen – außer der Verkauf läuft über Online Marktplätze wie Amazon (nur bei FBM) oder eBay, dann übernimmt der Marktplatz die Steuerpflicht. Eine eigene UK-VAT-Registrierung ist in diesem Fall nicht notwendig, sofern du ausschließlich über Marktplätze verkaufst. Dennoch verlangt Amazon, dass alle Abgaben auf den Importeur belastet werden. Für Verkäufe über einen eigenen Online-Shop ist eine Registrierung weiterhin erforderlich. Wichtig: Die £135-Grenze bezieht sich (für B2C Sendungen) auf den Warenwert ohne Versand- und Versicherungskosten.

Rechnung erstellen:

Korrekt und vollständig beilegen (in der Praxis verlangen Carrier und Zoll meist mehrere Kopien, auch wenn Daten elektronisch übermittelt werden).

Zollerklärung:

Für Postsendungen bis 2 kg und 300 SZR (= Sonderziehungsrecht, Währungseinheit, wechselt täglich abhängig von Tageskursen, je nach Wechselkurs ca. 350 €) Warenwert gilt CN22, darüber CN23. Bei Express- und Speditionsdiensten erfolgt die Anmeldung elektronisch – CN22/23 sind dort meist nicht als Papierdokument nötig, aber die gleichen Daten müssen bereitgestellt werden.

Zolltarifnummern (HS-Codes) ermitteln:

Für jede Art von Produkt notwendig, um die richtige Abgabenhöhe zu bestimmen und die Zoll- und Einfuhrumsatzsteuer korrekt zu berechnen.

Incoterms festlegen:

Entscheide, wer für Zoll und Steuern aufkommt (Praxis-Tipp: DDP sorgt für die beste Kundenerfahrung).

Retourenprozess definieren:

Plane die Rückabwicklung von Waren aus UK. Die Nutzung eines lokalen Fulfillment Centers oder Retourenlagers erleichtert Retouren erheblich.

Ausfuhranmeldung prüfen:

Notwendig ab einem Warenwert von über 1.000 € oder einem Gewicht von über 1.000 kg. Außerdem bei genehmigungspflichtigen Gütern unabhängig vom Wert. Die Anmeldung erfolgt elektronisch über ATLAS. In der Praxis ist fast immer die Wertschwelle von 1.000 € ausschlaggebend – außer bei genehmigungspflichtigen Waren, hier gilt sie auch darunter.

Schritt 1: die unverzichtbaren Dokumente für jeden Versand

Jedes Paket nach UK benötigt eine Rechnung (Commercial Invoice). Sie informiert die britischen Behörden über Inhalt und Wert deiner Sendung. Bei nicht-kommerziellen Sendungen (z. B. Muster) wird eine Proformarechnung genutzt.

Was muss auf die Rechnung?


  • Vollständige Adressen von Absender und EmpfängerDeine EU-EORI-Nummer (Empfänger braucht keine)
  • Genaue Warenbeschreibung für jeden Artikel
  • Zolltarifnummer (HS-Code)
  • Menge, Einzelwert und Gesamtwert der Waren
  • Incoterms (z. B. DDP)
  • Ursprungsland der Waren
  • Bei Sendungen unter £135 (für B2C): falls du registriert bist, deine UK-VAT-Nummer

Die Zollerklärung (CN22/CN23):

Für Postsendungen sind CN22 (bis 2 kg und bis ca. 350 € je nach SZR) und CN23 (darüber) vorgeschrieben. Bei Expressdiensten und Speditionen erfolgt die Zollanmeldung elektronisch – Papieraufkleber sind dort in der Regel nicht nötig, die Inhalte müssen aber übermittelt werden.


Die Ausfuhranmeldung:

Eine elektronische Ausfuhranmeldung beim deutschen Zoll ist erforderlich, wenn der Warenwert über 1.000 € oder das Gewicht über 1.000 kg liegt. Sie wird über das ATLAS-System eingereicht und kann auch durch den Carrier erledigt werden. Für genehmigungspflichtige Güter ist sie immer erforderlich.

Schritt 2: EORI-Nummer & HS-Codes

Ohne EORI keine Exporte. Jeder Händler mit Sitz in der EU benötigt sie für den Versand nach UK.

Die Zolltarifnummer (HS-Code) bestimmt, welche Einfuhrabgaben erhoben werden. Sie ist für jedes Produkt individuell zu ermitteln und entscheidend für die richtige Behandlung deiner Ausfuhrlieferungen.

Schritt 3: UK-Mehrwertsteuer (VAT) – die £135-Regel für B2C

Waren bis £135: Verkäufer muss die britische Umsatzsteuer direkt erheben und an HMRC abführen (außer beim Verkauf über Online Marktplätze, dann übernimmt der Marktplatz). Grundlage ist der Warenwert ohne Versand- und Versicherungskosten.

Waren über £135: VAT und ggf. Zölle werden beim Import durch den Käufer oder Spediteur erhoben.

Schritt 4: die richtigen Incoterms wählen

DAP (Delivered at Place): Kunde zahlt Zoll und Steuern bei Lieferung. Oft führt das zu Ärger und Retouren.

DDP (Delivered Duty Paid): Händler übernimmt alle Kosten, Kunde zahlt nur den Endpreis im Checkout. In der Praxis die bessere Wahl für Kundenzufriedenheit, Umsatz und langfristige Kundenbindung.


Schritt 5: Retouren aus UK

Eine Rücksendung aus UK gilt als Wiedereinfuhr in die EU. Um doppelte Besteuerung zu vermeiden, muss die Sendung als Returned Goods Relief deklariert werden – Nachweise über die ursprüngliche Ausfuhr (z. B. MRN) sind zwingend erforderlich. In der Praxis akzeptiert der Zoll aber auch alternative Nachweise (z. B. Rechnung, Lieferschein, Tracking-Protokolle). Das MRN ist nur eine der gängigen, nicht die einzig zwingende Nachweisform.


Effizienter ist ein lokales Retouren-Hub oder Lager in UK: dort werden Rücksendungen gesammelt und gebündelt in die EU exportiert. Das spart Kosten, Zeit und reduziert Aufwand in mehreren Bereichen.

Häufige Fehler beim UK-Versand

  • Die £135-VAT-Regel ignorieren
  • Falscher oder geschönter Warenwert
  • Ungenaue Warenbeschreibung
  • Incoterms falsch gewählt (DAP statt DDP)
  • Verbotene Artikel versenden

So unterstützt everstox dich beim Versand nach UK

Der Versand nach Großbritannien bringt viele Anforderungen mit sich – von Zollabwicklung bis Retourenmanagement. Genau hier kommt everstox ins Spiel. Mit einer skalierbaren Fulfillment-Lösung, intelligentem Multi-Carrier-Routing und einem Logistiknetzwerk in Europa und UK unterstützt dich everstox dabei, deine Prozesse effizient und compliant zu gestalten – auch für Cross-Border Versand nach UK.


Du profitierst von:

  • Zugang zu lokalen UK-Lagerstandorten: für schnelleren Warenversand, vereinfachte Retouren und optimierte Abläufe.
  • Automatischer Steuerlogik (z. B. DDP-Support): für reibungslosen Checkout & Kundenbindung.
  • Zentrale Steuerung deiner UK-Aufträge über eine moderne Plattform: inklusive Integrationen zu Shopsystemen, ERP-Tools und Onlinehandel in allen Bereichen.

Häufig gestellte Fragen

Welche Dokumente brauche ich für den Versand nach UK?

Was muss ich beim gewerblichen Versand nach UK beachten?

Wie werden Retouren aus UK am besten abgewickelt?

Brauche ich eine EORI-Nummer für den Versand nach UK?

Was ist die £135-Regel beim Versand nach UK?

Über die Autorin

Anna Kraus

Expertin für eCommerce und Logistik

Mit über sieben Jahren Erfahrung im Online-Marketing verantwortet Anna die inhaltliche Weiterentwicklung der everstox Website. Ihr Schwerpunkt liegt auf eCommerce, Logistik und Supply Chain Management – Themen, die sie strategisch, praxisnah und mit einem klaren Blick für operative Realitäten aufbereitet.

Seit ihrem Einstieg bei everstox im Jahr 2024 ist Anna hauptverantwortlich für den gesamten redaktionellen Content: von Blogartikeln und Fachbeiträgen bis hin zum unternehmensweiten Glossar. Ihre Inhalte verbinden aktuelle Markt- und Technologietrends mit den konkreten Herausforderungen wachsender eCommerce-Unternehmen und machen komplexe Zusammenhänge verständlich und anwendbar.

Anna absolvierte ihr Bachelorstudium an der Universität Salzburg und erwarb anschließend einen Master of Business Administration mit Schwerpunkt Gesundheitsmanagement an der IU International University. Ihre Masterarbeit zum betrieblichen Gesundheitsmanagement unterstreicht ihren analytischen Ansatz und ihr Interesse an ganzheitlichen, integrierten Strategien zur nachhaltigen Unternehmensentwicklung.

In ihrer Arbeit kombiniert Anna fundierte akademische Kenntnisse mit langjähriger Praxiserfahrung im digitalen Marketing. So schafft sie Inhalte, die nicht nur informieren, sondern Entscheidern im eCommerce echten Orientierungsvorteil bieten – an der Schnittstelle von digitaler Innovation, Logistik und operativer Exzellenz.

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